2,48

Blick zwischen Maispflanzen in einem Maisfeld und Zahl 2,48 Millionen

Die neue Zahl im August

Mengenmäßig ist die Biomasse immer noch unser wichtigster erneuerbarer Energieträger. Wird für die Erzeugung von Bioenergie eigentlich mehr Mais angebaut als früher?  

Warum die Zahl wichtig ist:

2.480.000 Hektar beziehungsweise 2,48 Millionen Hektar Mais wurden im Jahr 2022 angebaut. Dass so viel Mais angebaut wird, liegt vor allem daran, dass man ihn so vielseitig verwenden kann. Als Futtermittel spielt er eine wichtige Rolle, als Nahrungsmittel für uns Menschen auch: als Cornflakes und Popcorn, als Maiskörner im Salat oder als ganzer Kolben vom Grill oder aus dem Kochtopf. Mais wird in vielen Variationen gegessen.

Seit dem Beginn des Umstiegs von fossilen zu erneuerbaren Energieträgern hat der Mais zudem als Energiepflanze hohe Bedeutung erlangt. Vor allem in Biogasanlagen wird er häufig verwendet, da er hohe Biogaserträge ermöglicht. Aber auch für die Herstellung von Bioethanol, einem wichtigen biobasierten Kraftstoff, kommt Mais zum Einsatz. Wenn viel Mais gebraucht wird, muss natürlich auch viel Mais angebaut werden. In den letzten Jahren konnte man dabei den Eindruck gewinnen, dass auf unseren Feldern nur noch Mais steht, die Anbauflächen für Mais also drastisch gestiegen sind. Manche Menschen behaupten zudem, dass dieser Mais hauptsächlich in der Biogasanlage landet. Stimmt das eigentlich?

Was die Zahl uns sagt:

Für den Fakten-Check schauen wir uns am besten die Zahlen mal genauer an. Beginnen wir bei den Anbauflächen.

Diagramm der FNR: Flächennutzung in Deutschland
Abb. 1: Flächennutzung in Deutschland. Bildquelle: Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe (FNR): https://basisdaten.fnr.de/land-und-forstwirtschaft/landwirtschaft

Aber wieviel landwirtschaftliche Fläche wird konkret für den Maisanbau verwendet? Richtig, das waren ja die 2,48 Mio. Hektar – unsere Zahl des Monats (siehe Abbildung 2). Somit wird auf 14,9 % aller landwirtschaftlichen Flächen Mais angebaut. Die Bedenken, dass überall nur noch Mais steht, können wir schon also mal getrost ins Reich der Fantasie verschieben.

Knapp die Hälfte der Flächen von Deutschland wird für die Landwirtschaft genutzt: 16,6 Mio. Hektar sind es laut der Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe (FNR), siehe Abbildung 1. Ein Großteil davon wird für die Erzeugung von Futter- und Nahrungsmitteln verwendet. Energiepflanzen machen gerade mal 13 % der landwirtschaftlichen Fläche aus.

Diagramm der FNR: Maisanbau in Deutschland
Abb. 2: Maisanbau in 2022 in Deutschland. Bildquelle: Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe (FNR): https://basisdaten.fnr.de/land-und-forstwirtschaft/landwirtschaft

Nächste Frage: Ist die Anbaufläche für Mais in den letzten Jahren drastisch gestiegen? Die Antwort auf diese Frage kommt auf den betrachteten Zeithorizont an. Für die letzten zehn Jahre sagt die Statistik aus Abbildung 3 eindeutig „nein“. Obwohl die Zahlen für das 2022 noch geschätzt sind, lässt sich aus der Statistik zum Maisanbau seit 2013 kein eindeutiger Trend erkennen. Zwar schwankt die Anbaufläche für Mais um ein paar Hundert Hektar in den vergangenen Jahren, aber bedeutend größer geworden ist die Anbaufläche seit 2013 nicht. Vergleicht man die heutige Anbaufläche jedoch mit den Flächen von vor 20 Jahren, sieht es anders aus (siehe Abbildung 4). Im Jahr 2000 wurde noch eine Million Hektar Mais weniger angebaut. Langfristig gesehen wird deutlich, dass die Anbaufläche für Mais vor allem zwischen 1960 und 1990 und dann noch einmal zwischen 2000 und 2011 deutlich gestiegen ist. Der Eindruck, dass die Maisanbaufläche merklich gestiegen ist, ist somit teilweise richtig.   

Dass sich die Anbaufläche für Mais in den letzten 10 Jahren relativ wenig geändert hat, liegt daran, dass der Bedarf an Futtermais und Energiemais kaum gestiegen ist. Das heißt, dass in Deutschland nicht mehr ganz so viele neue Biogasanlagen neu gebaut wurden und der Rinderbestand in Deutschlands Kuhställen sogar rückläufig ist.

Diagramm der FNR: Entwicklung der Maisanbaufläche in Deutschland seit 2013
Abb. 3: Entwicklung der Maisanbaufläche in Deutschland seit 2013. Bildquelle: Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe (FNR): https://basisdaten.fnr.de/land-und-forstwirtschaft/landwirtschaft
Diagramm des DMK: Maisanabaufläche in Deutschland seit 1950
Abb. 4: Entwicklung der Maisanbaufläche in Deutschland seit 2013. Bildquelle: Deutsches Maiskomitee (DMK): https://www.maiskomitee.de/Fakten/Statistik/Deutschland

Bleibt noch die Frage, ob der Mais hauptsächlich zur Energiegewinnung angebaut wird, also zumeist in der Biogasanlage landet. Mit der Abbildung 2 lässt sich das leicht widerlegen: In der Biogasanlage landen nämlich nur 36 % vom Mais. Nach wie vor wird der größere Anteil des Mais für Futter- und Nahrungsmittel verwendet. Richtig ist aber, dass Mais ein ganz wichtiger Ausgangsstoff für Biogasanlagen ist. Wie Du in Abbildung 5 zum Substrateinsatz erkennen kannst, sind 45 % der Ausgangsstoffe für Biogasanlagen nachwachsende Rohstoffe. Und Abbildung 6 zeigt, dass davon wiederum der Mais den größten Anteil (70 %) hat. Grassilage (also gehäckseltes und angesäuertes Gras) spielt mit 14 % auch eine wichtige Rolle als Ausgangsstoff in Biogasanlagen. Falls Du Dich nun fragst, was es mit den 8 % Getreide-GPS auf sich hat: GPS steht für Ganzpflanzsilage. Hier wird also nicht nur das Getreidekorn, sondern die ganze Pflanze siliert (vergärt). Dazu verwendet man natürlich hauptsächlich solches Getreide, welches von der Qualität zu schlecht für die Nahrungsmittelproduktion ist. Es handelt sich hierbei also eher um Reststoffe als um hochwertige Körner.

Diagramm der FNR: Substrateinsatz in Biogasanlagen 2021
Abb. 5: Substrateinsatz in Biogasanlagen. Bildquelle: Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe (FNR): https://mediathek.fnr.de/grafiken/daten-und-fakten/bioenergie/biogas/substrateinsatz-in-biogasanlagen.html
Diagramm der FNR: Nachwachsende Rohstoffe in Biogasanlagen 2021
Abb. 6: Einsatz nachwachsender Rohstoffe in Biogasanlagen. Bildquelle: Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe (FNR): https://mediathek.fnr.de/grafiken/daten-und-fakten/bioenergie/biogas/nachwachsende-rohstoffe-in-biogasanlagen.html

Kommen wir zur letzten Frage für heute: Warum wird Mais so oft in Biogasanlagen verwendet? Weil er einen der höchsten Erträge bei der Biogaserzeugung bringt. Mit einer Tonne Mais können über 200 Normkubikmeter (Nm3) Biogas erzeugt werden. Zum Vergleich: Aus einer Tonne Rindergülle entstehen gerade mal 25 Normkubikmeter und aus Bioabfall etwa 160 Normkubikmeter Biogas. Mais ist also sehr effizient: Pro Tonne eingesetztem Substrat erhält man bei Mais viel Biogas. Das hat insofern eine große Bedeutung, dass die ganzen Substratmengen und -gewichte ja auch transportiert werden müssen. Da der Transport (per LKW oder Traktor) bekanntlich viel Energie verbraucht, ist es schlau, ein Substrat in Biogasanlagen zu verwenden, für das der Energieaufwand für den Transport eher gering ist. 

Und jetzt?

Jetzt, wo Du zum Experten für Mais geworden bist, fehlt nur noch eins: Lass Dir den Mais auch mal schmecken. Wenn er schon draußen häufig angebaut wird, dann geh einfach mal hin und schaue ihn Dir genauer an. Falls Du ihn mal probieren möchtest, empfiehlt es sich, den Bauern vorher zu fragen. Immerhin gehört ihm der Mais. Sei deshalb bitte auch vorsichtig im Umgang mit den Maispflanzen.

Tipp Nr. 1: Leckere Rezepte für Mais findest Du im Internet, wenn Du „Mais zubereiten“ in die Suchmaschine eingibst.

Tipp Nr. 2: Wie Du gerade erfahren hast, ist nicht jeder angebaute Mais für die Nahrungsmittelherstellung gedacht. Damit Dein Maisgericht auch wirklich perfekt schmeckt, solltest Du besser Mais aus dem Supermarkt oder – noch besser – aus dem Bioladen verwenden.

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